Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis jetzt mit eigenem Wikipedia-Eintrag

Unser Lern- und Gedenkort und das ehemalige Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz sind jetzt mit einem eigenen Eintrag auf Wikipedia vertreten. Unter dem Stichwort „Kaßberg-Gefängnis“ geht es quellenbasiert und mit zahlreichen Fotos versehen um die doppelte Diktaturgeschichte des einstigen politischen Haftorts, den Häftlingsfreikauf aus der DDR und die Gedenkstättenkonzeption. Die Ursprungsversion des Artikels hatte – selbstverständlich unter Offenlegung der Identität – unser Gedenkstättenteam gestern online gestellt. Schon nach wenigen Stunden war er geprüft und freigegeben. Die Community beteiligte sich bereits mit ersten Ergänzungen.

Der Beitrag verlinkt auf zahlreiche weitere einschlägige sogenannte Lemmata und ist umgekehrt von relevanten Einträgen wie „Chemnitz“, „Kaßberg“, „Häftlingsfreikauf“ oder „Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit“ per Link auffindbar. Eine englischsprachige Version folgt.

Die Fotos zeigen das Wikipedia-Logo und einen Teil der Bildauswahl, die aktuell im Wikipedia-Eintrag zu finden ist. – Bildnachweis: Version 1 by Nohat (concept by Paullusmagnus); Wikimedia (1), Wikipedia/Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis (7)

Den Wikipedia-Eintrag selbst finden Sie, wenn Sie hier klicken.

Charlotte Gneuß mit „Gittersee“ in unserem Lernort im früheren Hafttrakt B

Gut 60 Besucherinnen und Besucher waren gestern Abend zu Lesung und Gespräch mit Charlotte Gneuß in unseren Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis gekommen. Zum Abschluss unserer Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an 35 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall stellte die Autorin ihren viel beachteten Roman „Gittersee“ zum ersten Mal in Chemnitz vor. Im Zentrum des Buches, das im Jahr 1976 in dem titelgebenden Vorort von Dresden handelt, steht Karin, die 16 Jahre alte Protagonistin, deren etwas älterer Freund Paul ohne Abschied in die Bundesrepublik flüchtet. Karin bleibt zurück und gerät ins Visier der Staatssicherheit. Es geht um Jugend, Liebe und Freundschaft in der Diktatur, Verrat und Rachegefühle, Misstrauen und falsche Nähe beziehungsweise Nähe zu den Falschen. Denn Karin, unter Druck gesetzt, halb fasziniert, lässt sich mit der Staatssicherheit ein.

In Chemnitz wird daraus ein Wechsel aus Leseauszügen und Gespräch über DDR, DDR-Debatten, Ost und West, Werdegang und literarische Referenzen. Die Leistung des Romans sei es, so unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Robert Schröpfer, der den Abend moderierte, große Themen wie Stasi, Wismut und Republikflucht aufzurufen, aber ganz nah an seinen Figuren zu erzählen. Die Autorin schildere sehr genau Gesten, Tonfälle und Atmosphären und schaffe einen kleinen Kosmos an Figuren. Fast alle im Roman seien irgendwie unglücklich, führten nicht das Leben, das sie sich wünschten. Das gebe es, entgegnete Charlotte Gneuß, auch heute, aber damals unter ganz anderen Bedingungen.

Sie habe sich bewusst für die DDR 1976 entschieden, das Jahr der Biermann-Ausbürgerung und der Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz, weil es als Wendepunkt in der DDR-Geschichte gelte. Und die Handlung spiele statt auf dem Weißen Hirsch in Gittersee am anderen Ende Dresdens. Es sei ihr um Lebensnähe gegangen. Häufig habe die Staatssicherheit Jugendliche in den Blick genommen, die entweder aus systemnahen Familien kamen oder ein Bedürfnis nach Nähe hatten, die sie im eigenen privaten und sozialen Umfeld nicht bekamen. Ein wichtiger Antrieb für sie sei gewesen, solche Mechanismen zu beschreiben, auch um zu verhindern, dass solche Dinge wiederkehren.

Unsere Bilder, fotografiert von Kateryna Vdovchenko, zeigen oben Charlotte Gneuß und Robert Schröpfer mit Besucherinnen und Besuchern in der früheren Hafthalle in unserem Lernort, außerdem unten die Autorin auf dem Podium, unsere wissenschaftliche Leiterin Dr. Steffi Lehmann bei der Begrüßung und weitere Eindrücke vom Abend.

Die Veranstaltung wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.erinnerungskultur.sachsen.de. Wir danken außerdem allen Ehrenamtlichen und Mitwirkenden sowie TD Media Chemnitz für den technischen Support.

Unser Lernort im füheren Hafttrakt B ist eröffnet

Mehr als 3300 Besucherinnen und Besucher kamen am ersten Wochenende auf den Kaßberg

Das ist ein wichtiges Ereignis für unser Gedenkstättenprojekt: Der neue Lernort im früheren Hafttrakt B des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses in Chemnitz ist eröffnet. Hier und hier finden Sie unsere Berichte und Fotos vom Eröffnungswochenende und hier eine Presse- und Medienschau. Auch die Frankfurter Allgemeine („Ein deutsch-deutscher Ort“) und die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau berichteten ausführlich.

Das Bild oben zeigt Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Sandra Polom, Enkelin einer Haftinsassin aus der NS-Zeit, unseren Vereinsvorsitzenden Jürgen Renz, die SED-Opfer-Beauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, unseren Vermieter Jens Kroll, Staatsministerin Barbara Klepsch, Bürgermeister Ralph Burghart und Zeitzeugin Elke Schlegel (v.l.) bei der feierlichen Eröffnung sowie Medienvertreterinnen und Festgäste. Unten zu sehen ist ein Blick in den früheren Hafttrakt B. In den einstigen Zellen werden Lebensläufe und Haftschicksale ehemaliger politischen Gefangenen des Kaßberg-Gefängnisses in der Zeit des Nationalsozialismus, in der SBZ- und DDR-Zeit sowie des Häftlingsfreikaufs erzählt.

Die Website des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis, deren Bereich Aktuelles ich betreue, finden Sie hier. Zur Facebook-Seite und zum Instagram-Kanal geht es hier beziehungsweise hier.

Schiller, Sommer 1788

Bisschen Heimatkunde – mein Wikipedia-Debüt: über die Schillershöhe bei Rudolstadt-Volkstedt, wo der Dichter den Sommer 1788 verbrachte. Rudolstadt ist der Herkunftsort seiner späteren Ehefrau Charlotte von Lengefeld und von deren Schwester Caroline von Beulwitz. In Rudolstadt begegnete Schiller am 7. September 1788 erstmals Goethe. Die Büste auf der sogenannten Schillershöhe erinnert an diesen Aufenthalt.

Den vollständigen Wikipedia-Eintrag finden Sie hier.

Und über den Sommer 1788 gibt es den schönen Spielfilm „Die geliebten Schwestern“ (Trailer) von Dominik Graf.

Bildnachweis: Ruxpert Sröpwer – mit freundlicher Genehmigung

Blick auf den Kaßberg

In der aktuellen Ausgabe des Online-Aufarbeitungsforums „H-und-G.info“ geht es um „Gedenken am authentischen Ort“. Wir stellen den künftigen Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis vor.

Was hat uns der Kaßberg noch zu sagen? Das Online-Aufarbeitungsforum „H-und-G.info“ des Bürgerkomitees 15. Januar e.V. in Berlin beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Gedenken am authentischen Ort“. Die wissenschaftliche Leiterin unseres entstehenden Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz, Dr. Steffi Lehmann, und ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter stellen das Gedenkstättenprojekt unseres Vereins mit Stimmen von Zeitzeugen, Vorstandsmitgliedern und Projektleitung vor und versuchen eine Positionsbestimmung. Wie umgehen mit dem Alleinstellungsmerkmal Freikaufhaft und doppelter Diktaturgeschichte? Wo steht der Kaßberg im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Verlust?

Den Beitrag auf H-und-G.info lesen Sie, wenn Sie hier klicken.

Die Website des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis e.V. in Chemnitz finden Sie hier. Und zur Facebook-Seite geht es hier entlang.

Das Foto oben zeigt einen Blick in den ehemaligen Hafttrakt B mit Wandbild, entstanden in der Zeit ab 1990.

Mitarbeit im Verein

Elternzeitvertretung beim Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz

Ich habe eine Elternzeitvertretung beim Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. in Chemnitz übernommen. Das Kaßberg-Gefängnis ist als einstiger Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs ein wichtiger Erinnerungsort der DDR-Geschichte und der deutschen Teilung. Für die meisten der mehr als 33.000 politischen Häftlinge, die von der Bundesrepublik zwischen 1962/1963 und 1989 freigekauft wurden, gingen von hier aus die Busse in die Freiheit. Außerdem diente der Gebäudekomplex als Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit und zuvor des NKWD. In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Kaßberg-Gefängnis Angehörige unterschiedlicher Opfergruppen eingesperrt.

Der Verein setzt sich seit seiner Gründung 2011 für den Erhalt des früheren Gefängnisses und die Errichtung eines Lern- und Gedenkorts ein, der an die verschiedenen Zeitabschnitte erinnert. Gegenwärtig wird im ehemaligen Hafttrakt B mit Fördermitteln von Bund, Freistaat Sachsen und Stadt Chemnitz gebaut. Eine Dauerausstellung soll entstehen, deren Mittelpunkt die Lebensgeschichten früherer politischer Gefangener darstellen. Auch Bildungsangebote in Form von Workshops, Zeitzeugengesprächen und Führungen spielen eine wichtige Rolle.

Ich finde, das ist ein tolles und unterstützenswertes Projekt, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern und Vorständen, Kolleginnen und Kollegen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie allen Partnerinnen und Partnern des Vereins.

Das Foto oben zeigt den bereits 2017 eröffneten Gedenkort an der Außenmauer in der Kaßbergstraße, das Bild unten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung an dessen Innenseite. Und zur Website des Vereins geht es hier entlang.

UPDATE: Eine Presseschau zum Ersten Spatenstich für den Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis im November 2021 finden Sie hier und Beiträge über die Geschichten der Zeitzeugen André Fischer und Dr. Ulrich Müller, von mir protokolliert für den Tätigskeitsbericht der Stiftzung Sächsische Gedenkstätten beziehungsweise die Website des Vereins, wenn Sie hier (PDF, Seite 112/113) beziehungsweise hier klicken.

„Das Wunderbare ist die Vielfalt“

Museumsleiterin Andrea Weigel über die neue Ausstellung der Historischen Schauweberei Braunsdorf und die Blumenmuster aus dem hauseigenen Archiv

Passend zur sächsischen Landesgartenschau 2019 im nahen Frankenberg wendet sich auch die Historische Schauweberei Braunsdorf ab dem heutigen Samstag der Pflanzenwelt zu – zumindest als Motiv. Unter dem Titel „Im Garten der Fäden“ lädt eine Ausstellung in dem früheren Industriebau zum Ausflug in die Welt floraler Muster ein, die für Stoffe der Möbelstoffweberei Tannenhauer entworfen wurden. Andrea Weigel leitet das Team des Hauses.

Frau Weigel, in Ihrer Ankündigung wird ein „Wunderkammer-ähnlicher Erfahrungsraum“ versprochen. Was erwartet die Besucher?

Andrea Weigel: Wunderkammer – das liegt sicherlich immer auch im Auge des Betrachters. Aber zum einen geht es um die Vielzahl der Objekte. Wir verfügen mit dem Musterarchiv über 3.000 Dessins und annähernd 20.000 Einzelobjekte, die den komplizierten Herstellungsprozess von der Musterzeichnung bis zum Gewebe nachvollziehbar machen. Das kann man natürlich nicht alles auf einmal zeigen. Aber wir wollen einen Eindruck davon vermitteln.

Und zum anderen?

… können wir auf eine große Viefalt floraler Muster zurückgreifen. Blumen – das ist ja ein großes Thema in der Mode und eben auch bei Stilstoffen im Biedermeier-Dessin, wie sie hier ab Mitte der 1920er-Jahre hergestellt wurden. Da können sich die Besucher auch ein wenig verzaubern lassen.

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Fragen über Fragen

Wie ich einmal versuchte, bei der MDR-Fernsehsendung „Quickie“ 50 Euro zu gewinnen

Als ich eines Samstagabends in die MDR-Fernsehsendung „Quickie“ zappte, war ich enthusiasmiert. Zugegeben, der Titel klingt anzüglich. Doch dahinter steckt eine Quizshow, deren Teilnehmer wie bei „Wer wird Millionär“ Fragen nach dem Multiple-Choise-Prinzip gestellt bekommen, nur dass Günther Jauch hier eine Frau ist, statt einer Million lediglich ein Auto gewonnen werden kann und sich alle Fragen auf das Sendegebiet der ostdeutschen Dreiländeranstalt beziehen. Vor allem aber war Zuschauerbeteiligung gefragt: Das Publikum wurde aufgefordert, nicht nur selbst eine Preisfrage zu beantworten, sondern auch eigene Fragen einzusenden, für die es im Falle der Verwendung – ich weiß nicht mehr genau – 50 Euro geben sollte.

Also legte ich los. „Wie heißt eine bekannte Backspezialität aus dem sächsischen Freiberg?“, tippte ich in die Eingabemaske auf der „Quickie“-Website ein. „a) Backhase, b) Bauerhase, c) Osterhase oder d) Schweinebraten?“ Das dürfte Kandidaten aus Thüringen oder Sachsen-Anhalt einige Schwierigkeiten bereiten. Dann glänzte ich mit Literatur: „Auf welchem thüringischen Berg verfasste Johann Wolfgang von Goethe 1780 sein berühmtes Gedicht ,Wandrers Nachtlied‘ (,Über allen Gipfeln / Ist Ruh’ …‘)? a) Pickelhaube, b) Kickelhahn, c) Haubentaucher oder d) Auerhahn?“ Und um meine Chancen weiter zu erhöhen, legte ich gleich noch einmal nach, diesmal mit falschen Fährten Richtung Leipzig und ins Erzgebirge: „Wie heißt der Heimatdichter, der mit ,Bildern und Klängen aus Rudolstadt‘ bekannt wurde? a) Anton Günther, b) Anton Winter, c) Anton Sommer oder d) Lene Voigt?“

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Bibliothek eines Traumas

Am 13. Februar jährt sich die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg zum 70. Mal. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr geht aus diesem Anlass Spuren der Zerstörung der Stadt in Erinnerungsbüchern, Romanen und Gedichten nach. 

(c) 2015 Andrea Ulke/MHM

Wie kann man komplexe literarische Texte in einen Ausstellungsraum übersetzen, noch dazu wenn es um ein geschichtspolitisch aufgeladenes Ereignis wie die Zerstörung Dresdens geht? Wie umgeht man es, der Legendenbildung nur ein weiteres Kapitel hinzuzufügen, wenn viele der Autoren aus dem Kenntnisstand ihrer Zeit heraus mit überhöhten Opferzahlen arbeiten und zum Teil historisch falsche Einordnungen vornehmen? Und auf welche Weise kann man angesichts deutscher Verbrechen von deutschem Leid erzählen? Fragen wie diese stellen sich, schon bevor man die Ausstellung „Schlachthof 5 – Dresdens Zerstörung in literarischen Zeugnissen“ im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden betritt, die das Haus aus Anlass des 70. Jahrestags der Bombardierung der Stadt durch britische und amerikanische Fliegerverbände am 13. und 14. Februar 1945 zusammengestellt hat.

Erinnerungsberichte und Romane, die zum Teil eigenes Erleben spiegeln, ein Libretto, ein Drehbuch und Gedichte sollen, so die Ausstellungsmacher, eine andere Annäherung ermöglichen, als sie die Geschichtswissenschaft bietet. Und sieht man all die zusammengetragenen Handschriften, Typoskriptseiten und Bücher, bei denen es sich nur um eine Auswahl der prominentesten handelt, dann fällt als erstes auf, dass von einem „Überlieferungsdefizit“, wie es der Schriftsteller W. G. Sebald Ende der 90er-Jahre für den Luftkrieg in der deutschen Literatur behauptete, in Bezug auf Dresden kaum die Rede sein kann, auch wenn der berühmteste Titel zum Thema, der Antikriegsroman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ aus dem Jahr 1969, der der Ausstellung den Titel gibt, nicht in Deutschland verfasst wurde, sondern von dem amerikanischen Schriftsteller Kurt Vonnegut stammt.

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Ab in die Tonne

Mein Beitrag zu einer Liste von Vorschlägen für das „Unwort des Jahres“ 2014

Asylkritisch. – Ob „asylkritisch“, „euroskeptisch“, „demokratieverdrossen“ oder „Ukraine-Krise“: Im Zusammenhang mit den neu-alten rechten Bürgerbewegungen von Pegida über AfD bis hin zu den Putinfreunden hat die Nachrichtensprache in den vergangenen Monaten eine Reihe von Beschönigungen erfunden, die mit Fremdenfeindlichkeit, Hass auf die Institutionen, Eurogegnerschaft und Krieg Russlands gegen sein Nachbarland viel richtiger zu übersetzen wären. In dem falschen Bestreben, niemandem wehzutun, sprechen Teile von Politik und Medien so über jene, von denen sie selbst mittlerweile jeden Montag als – zwei weitere Unwörter, wenn auch ganz anderen Kalibers – „Volksverräter“ und „Lügenpresse“ verunglimpft werden. Man zeigt Verständnis für – noch so eine Redewendung – „Sorgen und Nöte“ derer, die in Wahrheit selber Angst, nämlich unter Flüchtlingen und Einwanderern in diesem Land verbreiten.

Gedruckt erschienen in der Freien Presse Chemnitz am 31. Dezember 2014. Die Beiträge der Kolleginnen und Kollegen finden Sie hier.